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Ursprungsreise ganz nah


Zu Besuch in der Bio-Mühle Eiling

Es ist einer der heißesten Tage des Augusts. Im Fluss neben dem alten Fachwerkgebäude, das wir heute besuchen dürfen, dreht sich ein historisches Mühlrad. Es erinnert an vergangene Zeiten, während heute ein Teil des Stroms, den die Mühle benötigt, mithilfe von modernen Wasserkraftturbinen erzeugt wird. Wir sind in der Bio-Mühle Eiling, die die Brüder Jens und Thorsten Eiling betreiben und wollen uns anschauen, wo unser Mehl herkommt. Denn auch in der Backstube legen wir großen Wert auf hochwertige Zutaten. Viele davon beziehen wir in Bioqualität und wenn möglich aus der Region. Der Bio-Weizen und Bio-Dinkel für unsere Mehle wächst auf Feldern rund um Dortmund und wird von der Kornkammer Haus Holte angebaut. Vermahlen wird der Weizen hier bei den Eilings in Warstein. Heute herrscht auch in der Mühle drückende Hitze. Im Erdgeschoss dröhnen die Walzenstühle, in denen das Mahlgut aufgebrochen und vermahlen wird, und wir starten unseren Rundgang. Die erste Station ist der hochmoderne Farbausleser. Hier zeigt uns Thorsten Eiling, wie Verunreinigungen wie Mutterkorn oder anderer Schimmel in Millisekunden erkannt und aussortiert werden: Bei ca. 2,5 Tonnen Getreide, die pro Stunde durch die Anlage laufen, muss es schnell gehen. Das Getreide wird vor dem Mahlen mechanisch gereinigt: Alles, was größer oder kleiner als ein Korn ist, eine andere Farbe oder Dichte hat, wird in mehreren Schritten entfernt. In der konventionellen Landwirtschaft können jedoch Rückstände von Pflanzenschutzmitteln oder Düngern auf den Körnern verbleiben. Auch das ist für uns ein Grund, auf Bio-Mehle zu setzen. Die Bio-Mühle Eiling ist die einzige Mühle in NRW, die ausschließlich Bio- Getreide vermahlt und damit garantieren kann, dass es keinerlei Vermischung mit konventionell angebautem Getreide gibt. Deutschlandweit gibt es immer weniger kleinere Mühlen. Für Bäcker:innen, die regionales Bio-Mehl nutzen wollen, kann das ein Problem werden. Wenn die letzte kleine Mühle in der Region schließt, ist es fast unmöglich, Getreide noch lokal zu vermahlen und dann eben auch unmöglich damit zu backen.

„Man kennt die Leute, man kennt die Qualität. Zertifikate sind schön und gut, aber am Ende zählen Vertrauen und Verlässlichkeit.“

„Als kleine Mühle kannst du nur bestehen, wenn es Kunden gibt, die das wertschätzen“, sagen die Brüder. „Wir können nicht so günstig produzieren wie die Industrie.“ Sie beliefern Hofbäckereien, Biobäckereien und kleine Betriebe. „Manchmal vermahlen wir nur 800 Kilo von einer Sorte Getreide – für eine Industriemühle wäre das, als würdet ihr für eine einzige Tasse Kaffee rösten“, sagt Thorsten Eiling lachend. Doch genau darin liegt der Unterschied, denn hier lässt sich genau nachvollziehen, von welchem Feld das Getreide stammt; ganz ähnlich wie bei unseren Kaffees. Etage für Etage verfolgen wir weiter die Verarbeitung des Getreides. Im zweiten Stockwerk kommen wir zur großen Siebmaschine: Der sogenannte Sichter hängt an 24 unermüdlich schüttelnden Seerohrstäben. Die Maschine klopft und stampft pausenlos und bestimmt so den Feinheitsgrad des Mehls. Ganz oben im dritten Stock heizt es sich noch weiter auf – hier befindet sich der Rohrboden. Die vielen Rohre verteilen das Mahlgut zu verschiedenen Prozessschritten, etwa zur Siebmaschine oder zu einer weiteren Vermahlung. 
Die Eilings arbeiten mit 95 Prozent ihrer Landwirt:innen seit vielen Jahren zusammen und das Getreide stammt aus einem Umkreis von meist 50 bis 200 Kilometern. Das bedeutet kurze Wege, faire Preise und direkte Beziehungen. Anstatt auf den billigsten Anbieter zu setzen, bauen sie auf langfristige Partnerschaften. „Man kennt die Leute, man kennt die Qualität. Zertifikate sind schön und gut, aber am Ende zählen Vertrauen und Verlässlichkeit.“

Die Preise verhandeln sie individuell mit den Landwirt:innen. Die finalen Konditionen sind dabei auch immer abhängig von Hofgröße und Aufwand. Kleine Betriebe bekommen oft etwas mehr Geld pro Tonne Getreide, weil für sie der Anbau einfach teurer ist.
Oben wird es zu heiß und uns fehlen noch eine paar Stationen: Wieder im Erdgeschoss angekommen werden uns noch die Abfüllstation für die Mehle, eine Testbackstube und das Labor gezeigt. Hier überprüfen die Brüder regelmäßig die Qualität der Mehle. Am Ausgang stehen die Kisten mit den kleineren Bestellungen der privaten Endkund:innen. Der Online-Shop macht einen stetig wachsenden Teil des Geschäfts aus – jedes Paket ist liebevoll mit einer Postkarte und einem kurzen Gruß versehen. Am Ende geht es eben um mehr als nur gemahlenes Getreide. Kleine Mühlen, wie die Bio-Mühle Eiling sichern Vielfalt, unterstützen handwerkliche Strukturen und sorgen dafür, dass regionale Wertschöpfungsketten nicht abreißen. Sie sind das Bindeglied zwischen dem Acker und der Backstube. Dieser persönliche Einblick hat uns einmal mehr gezeigt, wie viel Leidenschaft, Arbeit und Verantwortung hinter unserem Mehl steckt – und wie eng unsere Arbeit in der Backstube mit Themen wie fairen, regionalen Wertschöpfungsketten aber auch Bodengesundheit und dem Leben auf dem Feld verbunden ist.

Weizen ist nicht gleich Weizen – 
und Dinkel nicht nur „Ur-Weizen“.

Viele Menschen sind oft wegen der Verträglichkeit vorsichtig bei Weizenmehl. Bei uns spielt nicht die Sorte allein die Hauptrolle, sondern wie wir damit umgehen. Wir verwenden ausschließlich hochwertige Bio-Mehle aus der Region, von der Kornkammer Haus Holte in Witten bis zur Bio Mühle Eiling in Warstein, der einzigen 100 % Bio-Mühle in NRW. Diese Mehle erfüllen höchste Qualitätsstandards, die weit über die EU-Bio-Richtlinien hinausreichen.Außerdem legen wir hohen Wert auf lange Teigführung. Rund 20 Stunden reifen unsere Hefe- und Sauerteige, langsam und kalt geführt. Während dieser Zeit bauen Enzyme Stärke und Proteine ab, Hefe und Sauerteig spalten Zuckerketten, Gluten wird „vorverdaut“.

Das Ergebnis ist ein vollmundiger, aromatischer Teig, der sanft im Magen liegt und besonders bekömmlich ist. So wird aus jedem Knoten, Sauerteigsandwich und Croissant ein Genuss, der sowohl geschmacklich als auch verträglich überzeugt, ganz ohne künstliche Tricks oder „Turbo-Teige“. Qualität beginnt bei uns im Korn, und das schmeckt man.

Text: Nele Hinz
Fotos: Marina Sorgenicht


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