Für uns sind sie kein Marketinginstrument, sondern ein Zeichen von
Respekt. Wir möchten zeigen, was Kaffee wirklich wert ist – und wer dafür sorgt,
dass er überhaupt entstehen kann. In unseren Berichten machen wir sichtbar,
wie wir einkaufen, welche Preise wir zahlen und welche Produzent:innen
uns über Jahre begleiten.
Aber was bedeutet das in der Praxis?
Zum Beispiel unsere Partnerschaft mit Sancoffee in Brasilien: Mit Fabrício
Andrade und Allan Botrel als Ansprechpartner steht Sancoffee stellvertretend
für die Fazenda Cruzeiro, deren Name auch unsere beliebteste Bohne trägt –
quasi unser Brot- und Butter-Kaffee, der uns über die Jahre ein wirtschaftliches
Wachstum ermöglicht hat. Dabei haben wir uns beim Kauf auf sehr gleichbleibende,
wirklich gute Qualitäten fokussiert. Etwas, was brasilianische Produzent:
innen und hier insbesondere Sancoffee als Zusammenschluss mehrerer
Farmen vorzüglich beherrschen. Der Kontakt besteht bereits seit unserer
Gründung 2015. Wir stehen mit ihnen seitdem in einem engen Austausch,
sowohl vor Ort als auch digital.
Als größtes Land Südamerikas ist Brasilien auch seit 150 Jahren der größte
Kaffeeproduzent der Welt. Dementsprechend groß ist der Einfluss der
brasilianischen Arabicaernte auf den Kursverlauf an der Börse in New York.
Nicht nur deswegen ist der Kaufzeitpunkt unserer Kaffees aus Brasilien
essentiell für die wirtschaftliche Entwicklung von Neues Schwarz, sondern
auch, weil sie circa 45 Prozent unserer gesamten Röstkaffeeproduktion
ausmachen.
Hier mal ein praktisches Beispiel: Im Jahr 2023 lag der Börsenkurs im Schnitt bei circa 3,90$/kg. Doch aufgrund von Trockenheit und Frost in Brasilien und gleichzeitiger Dürre in Vietnam (dem größten Canephora-Produzent der Welt) mit direktem Einfluss auf den Ertrag und die Blütezeit der Folgeernten ging man davon aus, dass das Gesamtvolumen an Kaffee sinken wird, während die weltweite Nachfrage ansteigt. Viele vorrangig große Abnehmer:innen von Canephora wichen von vietnamesischen Kaffees ab und kauften stattdessen große Mengen aus Brasilien. Das wiederum führte zu Verknappung auf dem Markt für Arabica, was den Börsenpreis über das gesamte Jahr 2024 deutlich in die Höhe trieb. Gestartet mit knapp 4$/kg endete das Jahr mit einem Börsenkurs von 6,68$/kg und damit einer Preissteigerung von nahezu 70 Prozent. Was dann unter Donald Trumps zweiter Präsidentschaft passierte, lest ihr im nächsten Transparenzbericht. So viel kann schon gesagt werden: Es wurde für uns als Rösterei und für euch als Kaffeetrinker:innen leider nicht besser. Dabei gestaltet sich vor allem der Umgang mit der hohen Volatiliät im Markt als besonders herausfordernd für uns und unsere Kolleg:innen. Bereits Ende 2024 zeigte sich, dass der Finanzmarkt die Preisentwicklung maßgeblich beeinflusst.
Da wir immer ein Qualitätsdifferential – also einen Aufpreis für überdurchschnittliche Qualität, bessere Aufbereitung und höhere sensorische Werte des Rohkaffees – von mindestens 1,50$/kg bezahlen, kostet uns das im brasilianischen Ursprung 124.608,00$. Drei Monate vorher hätte uns die gleiche Menge und Qualität etwa 20.000$ weniger gekostet. Zwei Monate später allerdings auch 30.000$ mehr. Unterm Strich also gut für uns und euch, da wir zum Jahreswechsel 2025 nur leicht unsere Röstkaffeepreise anpassen mussten. Im Jahr 2024 haben wir insgesamt 46.024 Kilogramm Kaffee gekauft. Dabei lag das teuerste Lot bei 18,70$/kg und das günstigste Arabica-Lot bei 6,49$/kg. Durchschnittlich haben wir in 2024 7,82$/kg gezahlt. Damit lagen wir 65 Prozentpunkte über dem Börsenpreis zum Zeitpunkt der einzelnen Kontrakte. Im Ver- gleich zu 2023 etwas weniger Ausschlag nach oben und insgesamt auch etwas weniger Kaffee, den wir kontrahiert haben. Das lag unter anderem daran, dass wir in 2024 von einem vollen Lager aus 2023 zehren konnten und uns viele Produzent:innen die Preissteigerungen nur verzögert weitergegeben haben.
Text: Maximilian Zocher, Marco Walden, Benedikt Heitmann
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Kaffee spielt eine bedeutende Rolle in der Kultur und dem Verständnis Äthiopiens. Ein Satz, den wir auf unserer Reise noch öfter hören werden. Marina ist hauptsächlich für unser Marketing zuständig, aber steht auch als Barista hinter der Bar. Ich, Marco, stehe ebenfalls hinter der Kaffeebar. Meistens bin ich aber am Röster oder im Büro. Für uns beide ist es die erste Reise in eines der Ursprungsländer, aus denen wir unsere Kaffees beziehen. Dafür reisen wir nach Sidamo, in den südlichen Teil des äthiopischen Hochlands.