Seit unserer Gründung versuchen wir die Beziehungen, die wir zu den Produzent:innen pflegen, transparent zu machen. Jetzt wollen wir einen Schritt weitergehen und auch unsere gezahlten Kaffeepreise im Ursprung offenlegen. Damit sind die FOB-Preise gemeint, die für den Kaffee bis zur Verladung auf das Schiff im jeweiligen Ursprung gezahlt werden (FOB steht für free on board). Nicht inkludiert sind hier Transportkosten vom Hafen im Ursprung bis in unsere Rösterei, Kosten für Finanzierung und Lagerkosten. Traditionell werden die FOB-Preise in US-Dollar pro amerikanisches Pfund angegeben. In der anschließenden Tabelle sind die Preise zusätzlich und zum einfacheren Verständnis auf den Preis pro Kilogramm umgerechnet und ergänzt worden. Mit der Veröffentlichung dieser FOB’s schließen wir uns einem internationalen Kreis aus Röstern aus Nordamerika, Europa und Australien an, die sich unter dem Namen The Pledge dazu entschieden haben, ihre Einkaufspreise transparent zu machen. Wir wollen Teil davon sein, weil wir von Anfang an die Philosophie der Third Wave Coffee Bewegung vertreten.
Wir glauben also, dass der globale Süden seine Rolle in der Wertschöpfungskette transparenter und fairer machen muss. Damit soll das Leben aller Beteiligten der Wertschöpfungskette im besten Fall nachhaltig verbessert werden. Gehen wir einmal zurück zum Anfang, um zu verstehen, was das bedeutet. Gestartet sind wir ursprünglich mit fünf Kaffees, drei Espressoröstungen und zwei Filterröstungen. Über die Jahre ist das Portfolio, das wir wiederkehrend kaufen, immer größer geworden. So haben wir rückblickend inzwischen rund 25 Lots, die wir jedes Jahr rösten. Dass wir jetzt, fast zehn Jahre nach unserem Start, hier stehen und den größten Teil unserer Kaffees kontinuierlich von vertrauten Produzent:innen beziehen können, ist mit Sicherheit etwas, das wir uns gewünscht haben. Vorhersehbar war das allerdings nicht. Denn das Kaffeegeschäft ist ganz oft eine Aneinanderreihung von Zufällen darüber, wie Kontakte zu Produzent:innen entstehen. Eines der besten Beispiele dafür ist der Kontakt zu Carolina Padilla mit ihren Farmen San Antonio und Palin.
Dabei immer im Blick: Ein Handel auf Augenhöhe, die Möglichkeit, sich regelmäßig auszutauschen und die Chance, für beide Seiten an neuen Herausforderungen zu wachsen.
Von ihr haben wir bereits 2015 Grünkaffee in ganz kleiner Menge geröstet.
Aus diesen wenigen Sack sind inzwischen jedes Jahr gut zwei Tonnen geworden. Damit sind wir ihr Hauptabnehmer und Garant dafür, dass sie die Farm mit ihrer Familie weiterhin betreiben kann.
Eine, für uns ganz elementare, Geschäftsbeziehung ist die zu San Coffee aus Brasilien mit Fabricio Andrade und Allan Botrel als Ansprechpartner. Denn San Coffee steht stellvertretend für die Fazenda Samambaia und die Fazenda Cruzeiro, deren Namen auch unsere jeweiligen Kaffees tragen. Man könnte sagen; unsere Brot- und Butterkaffees, die uns über die Jahre ein wirtschaftliches Wachstum ermöglicht haben. Dabei haben wir uns beim Kauf auf sehr gleichbleibende, wirklich gute Qualitäten fokussiert. Etwas, was brasilianische Produzent:innen und hier insbesondere San Coffee vorzüglich beherrschen. Der Kontakt besteht ebenfalls seit unserer Gründung. Wir stehen mit ihnen seitdem in engem Austausch – sowohl digital als auch vor Ort.
Bei unserer aktuellen Größe fällt es jedoch schwer, containerweise Kaffee direkt aus Ursprungsländern zu kaufen und im Anschluss in Dortmund zu rösten. Dafür fehlen neben entsprechenden Abnahmemengen aktuell noch die Kapazitäten in der Produktion. Einen großen Teil des Kaffees importieren wir daher mit Algrano und der InterAmerican Coffee GmbH. Beide leisten für uns primär die Abwicklung von Logistik und Zwischenfinanzierung. Den Kontakt zu den Produzent:innen suchen wir in vielen Fällen selbst und besprechen mit ihnen Qualitäten, Mengen und Preise. Algrano betitelt das selbst ganz passend als Assisted Direct Trade und wir fühlen uns mit dem Begriff ebenfalls wohl. Unternehmen wie Cultivar, FEECEG oder Primavera Coffee sind weitere Importeure, mit denen wir schon viele Jahre zusammenarbeiten. Wir treffen sie seit über einem Jahrzehnt auf unseren Ursprungsreisen oder Events, da sie für uns eine hervorragende Arbeit im jeweiligen Ursprung leisten. Sie stehen beispielsweise hinter den Kaffees Edwin und Luz, Union Progreso, Tierra Colorada, La Pila and Neighbours und zuletzt Ana Marcos. Hier findet der Handel weniger direkt statt, da uns teilweise der direkte Zugang zu den Produzent:innen fehlt.
Trotzdem kaufen wir bei Ihnen mit gutem Gewissen. Denn sie ermöglichen uns, dass wir über Jahre hinweg Kaffees von Farmer: innen kaufen können, die hervorragende Arbeit machen und die entsprechend von den Exporteuren für den Mehraufwand und die höhere Qualität bezahlt werden. Die Kontinuität im Einkauf hilft dabei zum einen den Exporteur:innen, weil sie bestimmte Mengen schon sehr früh im Jahr für ihre Container einplanen können. Und es hilft den Produzent:innen, da sie früh im Erntejahr wissen, dass sie ihren Kaffee wieder zu besseren Konditionen verkaufen können. Die meisten Kaffees kaufen wir daher sechs bis neun Monate bevor sie bei uns ankommen und zu festen Preisen. Etwas, das für landwirtschaftlich erzeugte Produkte leider durch die Abhängigkeit von den Börsen viel zu selten der Fall ist. Eine verlässliche Bindung mit Produzent:innen eingehen, heißt für uns auch zu akzeptieren, dass es über die Jahre zu leichten qualitativen Schwankungen kommt, die wir bewusst mit-tragen. Kaffee ist ein Naturprodukt, dessen Qualität primär im Ursprung bestimmt wird und das mit den klimatischen Bedingungen während der Blüte, Reife und Ernte zurechtkommen muss.
Dabei sind schon jetzt vielerorts klimatische Veränderungen die größten Herausforderungen. Umso wichtiger für Produzent:innen, verlässliche Partner zu haben. Zuletzt wollen wir zeigen, dass Kaffee auch auf preislicher Ebene inzwischen unglaublich divers ist. Wir haben im Jahr 2023 Arabica-Kaffees von 5,12 US-Dollar je Kilogramm bis 25,37 US-Dollar FOB je Kilogramm gekauft. Insgesamt haben wir so 54.890 Kilogramm Grünkaffee erstanden. Dafür haben wir durchschnittlich 6,89 US-Dollar pro Kilogramm im Ursprung bezahlt und lagen damit knapp 85 Prozent über dem zum Zeitpunkt des Kaufs vergleichbaren Preis an der Börse. An dieser Stelle eine zusätzliche Info: In Anbetracht der Tatsache, dass der größte Teil unseres Grünkaffees aus Brasilien kommt und wir dort verhältnismäßig günstiger einkaufen, haben wir einen durchschnittlichen FOB von 10,01 US-Dollar pro Kilogramm bezahlt – auf Basis ganzer Lots und unabhängig von der Menge.
Text: Benedikt Heitmann
Bilder: Marina Jablunowskij
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Wo der Kaffee noch wild wächst – eine Reise nach Äthiopien
Kaffee spielt eine bedeutende Rolle in der Kultur und dem Verständnis Äthiopiens. Ein Satz, den wir auf unserer Reise noch öfter hören werden. Marina ist hauptsächlich für unser Marketing zuständig, aber steht auch als Barista hinter der Bar. Ich, Marco, stehe ebenfalls hinter der Kaffeebar. Meistens bin ich aber am Röster oder im Büro. Für uns beide ist es die erste Reise in eines der Ursprungsländer, aus denen wir unsere Kaffees beziehen. Dafür reisen wir nach Sidamo, in den südlichen Teil des äthiopischen Hochlands.
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Zu Besuch in der Backstube
Wer schon einmal in unseren Läden zu Gast war, kennt den Anblick einer frisch gefüllten Theke und den Geruch von warmen Zimt- und Kardamomknoten, der sich mit dem Aroma unseres frisch gebrühten Kaffee verbindet. Die feinen Backwaren stammen aus unserer hauseigenen Backstube, die etwas versteckt im Union-Gewerbehof liegt. Dort entwickelt, backt und kreiert unser Bäckerinnenteam das jahreszeitlich wechselnde Sortiment. Wir wollen euch mitnehmen und zeigen, wie ein Tag in der Backstube aussieht. Dafür berichtet Nele, die die Backstube leitet, über ihren Arbeitsalltag: Kommt mit und folgt dem Duft von heißen Zimtknoten!
El Rubi Special Edition
Begriffe wie Boskoop, Braeburn, Elstar oder Gala sind vielen bekannt, weil sie Apfelsorten beschreiben, die in Deutschland angebaut werden. Man findet in deutschen Supermärkten oder Hofläden kaum Äpfel, dessen Sorten unbekannt oder nicht ausgezeichnet sind. Sprechen wir aber über Sidra oder Geisha, weiß kaum jemand worum es geht.
Sichtbarkeit beginnt beim Label
Immer mehr Kaffees tragen den Namen von Frauen. Nadine Rasch erzählt anlässlich des Weltfrauentags im Interview, warum das nicht immer so war. Sie ist in Guatemala aufgewachsen und arbeitet seit 2012 mit Spezialitätenkaffee, nachdem sie in Großbritannien studiert hat. Ein Jahr nachdem sie wieder zurück auf der Farm ihrer Familie in Guatemala war, gründete sie 2013 Third Wave Coffee Source Ltd. und Primavera Coffee, um die besten Kaffees aus Guatemala mit Röstereien in Europa zu verbinden. Wir arbeiten seit 2016 mit ihr zusammen. Im letzten Jahr zeichnete die Specialty Coffee Association sie mit dem Nachhaltigkeitspreis aus, der mitunter ihre sozialen Projekte für Chancengleichheiten berücksichtigt.
Ein System muss neu gedacht werden: Kaffeeanbau in Brasilien
Hinter den Kulissen von LOT: Von der Idee bis zu den Spendenzielen
Es ist soweit: Die erste Ausgabe unseres Neues Schwarz Magazins LOT ist gedruckt und wartet darauf, von neugierigen Kaffeeliebhaber:innen durchgeblättert und gelesen zu werden!
Das grüne Gold aus Thailands Norden
Die Herkunft unseres Oolongs Nr.12 und Nr.17 liegt im Norden Thailands, in Doi Mae Salong. Dieses malerische Bergdorf liegt in der nördlichsten Provinz Thailands, nahe der Grenze zu Myanmar. Gelegen auf einer Höhe von 1094 Metern, mit einem alpinen Klima und hoher Luftfeuchtigkeit gesegnet, bietet es ideale Bedingungen für den Teeanbau der Chinasaatpflanze (Camellia sinensis var. sinensis). Von Chiang Rai, der nächstgrößeren Stadt, schlängelt sich die enge Straße in Serpentinen den Berg hoch.
Von der Kaffeekirsche zum Grünkaffee
San Antonio: Ein Familiengeschäft
Im Hochland von El Salvador, in Ahuachapán, liegt die Finca San Antonio. Seit rund 100 Jahren wird dort von der Familie Padilla Kaffee angebaut. 2014 hat Carolina die Finca von ihrem Vater übernommen. Sie hat mit unserem Röster und Barista Max, während seines Aufenthalts 2019, über die Geschichte der Finca gesprochen. Außerdem hat sie ihm von den Chancen und Risiken, die neue Prozessierungen bieten erzählt und davon wie es ist, als Frau in der Branche zu arbeiten.
Arabica bis Honey
In der Welt des Spezialitätenkaffee stößt man immer wieder auf neue Herausforderungen, unbekannte Begriffe und neues Wissen. Genau das ist es, was uns so antreibt auf der Reise durch die Thirdwave-Welt. Nicht nur die geschmackliche Vielseitigkeit der Kaffeebohne, sondern vor allem die Vielseitigkeit der Kulturen, Geschichten, Menschen und Momente die dahinter stehen überraschen uns tagtäglich. Spezialitätenkaffee wird erst mit viel Wissen, Handwerk und den richtigen Menschen mit denen man es teilt, zu dem was es ist - eine große Passion. Daher wollen wir unsere Reise mit euch teilen und arbeiten uns anhand des ABC durch das Kaffee Lexikon.
Italien bis Refraktometer
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Sensorik bis Zeremonien
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Jedes Jahr wird am 8. März der Weltfrauentag gefeiert. Für manche ist es ein ganz normaler Tag, andere wünschten, es wäre auch außerhalb Berlins ein Feiertag, aber für die meisten Frauen ist es auch 2023 noch ein Tag des Kampfes, der daran erinnern soll, dass es nach wie vor keine Chancengleichheit aller Geschlechter gibt!
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