Meet The Producer
Mela, die Finca Las Mercedes und der Weltfrauentag
Mela Gamboa leitet heute die familiengeführte Finca Las Mercedes in der berühmten Kaffeeanbauregion Tarrazú in Costa Rica. Die Geschichte der Farm reicht bis in die frühen Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts zurück, als ihre Urgroßeltern Antolín und Mercedes Gamboa das Land zunächst als Selbstversorgerbetrieb mit Landwirtschaft und Viehhaltung aufbauten.
Über Generationen hinweg entwickelte sich daraus eine Kaffeefarm, die bis heute fest in der Familie verankert ist. Die historische "Casona" - das über hundert Jahre alte Farmhaus - wurde damals aus Holz gebaut, das direkt auf dem eigenen Land gewonnen wurde und ist bis heute ein Symbol für die lange Geschichte der Farm.
Heute steht Mela für die nächste Generation dieser Tradition. Unter ihrer Leitung verbindet die Finca familiäres Erbe mit moderner Specialty Coffee Produktion. Ein großer Teil der Arbeit auf der Farm wird inzwischen von Frauen getragen - ein Zeichen dafür, wie sich die Rollen in der Kaffeeproduktion und -industrie weiterentwickeln.
Was bedeutet der Internationale Frauentag für dich persönlich?
Der Internationale Frauentag ist für mich ein Moment der Reflexion und Dankbarkeit.
Er erinnert mich an die Frauen, die vor mir kamen, besonders in ländlichen Gemeinschaften, und die unermüdlich gearbeitet haben, oft ohne Anerkennung zu erhalten. Gleichzeitig ist es ein Tag, um Fortschritte zu feiern und anzuerkennen, dass noch Arbeit vor uns liegt, um gleiche Chancen - besonders im Sektoren der Landwirtschaft und der Kaffeeproduktion.
Eure Familie produziert seit etwa 60 Jahren Kaffee auf diesem Land. Was bedeutet es für dich, Teil dieser Geschichte zu sein?
Teil einer 60-jährigen Kaffeetradition zu sein, ist sowohl eine Ehre als auch eine Verantwortung.
Kaffee ist für uns nicht nur eine Anbaupflanze – er ist die Geschichte unserer Familie, unsere Widerstandskraft und unsere Verbundenheit mit dem Land. Jede Ernte trägt die Mühen und Träume vergangener Generationen in sich. Dieses Vermächtnis fortzuführen bedeutet, die Vergangenheit zu respektieren und gleichzeitig neue Ideen einzubringen, damit die Finca auch für nächste Generationen erfolgreich bleibt.
Welche Werte deiner Familie prägen eure Arbeit bis heute am meisten?
Fleiß, Integrität und Respekt – gegenüber den Menschen und dem Land – sind die Werte, die mich jeden Tag leiten. Meine Familie war stets davon überzeugt, dass hochwertiger Kaffee mit ehrlicher Arbeit und einer tiefen Fürsorge für den Boden, die Pflanzen und die Menschen beginnt, die sie mit anbauen. Diese Grundsätze stehen weiterhin im Mittelpunkt all unseres Handelns.
Du bist im Vergleich zu anderen Farmbesitzer:innen recht jung - wie wird das von anderen wahrgenommen?
Anfangs sind manche Menschen überrascht. In der Landwirtschaft wird Führung oft mit älteren Generationen in Verbindung gebracht. Doch ich habe gelernt, dass auch Jugend ein Vorteil sein kann. Sie ermöglicht es mir, offen für Innovationen, nachhaltige Praktiken und neue Marktansätze zu sein. Mit der Zeit erkennen die Menschen, dass Engagement und Wissen wichtiger sind als das Alter.
Gab es Momente, in denen du besonders gespürt hast, dass du als Frau in dieser Position anders behandelt wirst?
Ja, es gab Momente – besonders in technischen Bereichen oder bei Verhandlungen – in denen ich das Gefühl hatte, mich stärker beweisen zu müssen. Manchmal gehen Menschen davon aus, dass Entscheidungen oder technisches Fachwissen von einer männlichen Person kommen müssen. Diese Erfahrungen haben jedoch mein Selbstvertrauen und meine Entschlossenheit gestärkt, zu zeigen, dass Führung nichts mit dem Geschlecht zu tun hat.
Welche Stärken bringen Frauen deiner Meinung nach besonders in die Kaffeeproduktion ein? Und gibt es spezielle Herausforderungen?
Frauen bringen oft eine große Aufmerksamkeit für Details, Organisationstalent und ein starkes Gemeinschaftsgefühl mit. In der Kaffeeproduktion, in der Qualität von sorgfältigen Prozessen abhängt, sind diese Eigenschaften besonders wertvoll. Frauen denken außerdem häufig langfristig – etwa im Hinblick auf Nachhaltigkeit und das Wohlergehen der Familie.
Die Herausforderungen betreffen oft den Zugang: Zugang zu Landbesitz, Finanzierung, technischer Ausbildung und Entscheidungsräumen. In vielen Regionen leisten Frauen einen großen Teil der Arbeit, sind jedoch in Führungspositionen und bei der Anerkennung unterrepräsentiert.
Welche Veränderungen wünschst du dir für Frauen in der Kaffeeindustrie?
Ich würde mir wünschen, dass mehr Frauen nicht nur als mitwirkende, sondern als Führungspersönlichkeiten anerkannt werden – als Farmbesitzerinnen, Exporteurinnen, Agronominnen und Entscheidungsträgerinnen. Ein besserer Zugang zu Bildung, finanziellen Ressourcen und Netzwerken ist dafür entscheidend. Außerdem hoffe ich auf einen kulturellen Wandel: Junge Mädchen, die in Kaffeeregionen aufwachsen, sollen diese Branche als einen Raum sehen, in dem sie dazugehören und den sie selbstbewusst führen können.
Text: Fatima Goltsman
Fotos: Finca Las Mercedes
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