Daniel wuchs in einer Kleinbauernfamilie auf, in der es üblich war, landwirtschaftliche Güter wie Rohrohrzucker, Kaffee oder Kakao anzubauen. Mit 23 Jahren besaß er bereits seine erste eigene Parzelle – ein Stück Land, das seine Eltern ihm vermachten. Es war das Fundament für sein Lebenswerk. Die Kaffeebohne sei schon immer Teil seines Lebens gewesen, und dank ihr konnte er seine Familie ernähren, erklärt sein Neffe Didier. Im Jahr 2000 pflanzte Ortega rund 2000 Caturra-Bäume, die er zuvor von der Colombian Coffee Growers Federation erhalten hatte. Er gehörte zu den Avantgardisten in San Agustín, die diese Varietät erstmals anbauen durften. Anfangs war unklar, ob sie in dem ungewohnten Habitat wachsen würde. Der Ertrag war unberechenbar. Doch die Caturra-Varietät setzte sich durch und gedieh nun in großen Mengen. Bereits mit den Gewinnen der ersten Ernten – und mithilfe eines Bankkredits – gelang Daniel ein bedeutender Schritt: Im Alter von 31 Jahren kaufte er ein weiteres Stück Land, das er seitdem unter dem Namen Finca Buenos Aires zusätzlich bewirtschaftet. Zu dieser Zeit entwickelte sich der Kaffeeanbau zunehmend zum Rückgrat der lokalen Agrarwirtschaft in San Agustín, und Daniel entschied sich, seine Zukunft ganz dem Kaffee zu widmen. Die Caturra-Bäume, mit denen Daniels Reise einst begonnen hatte, existieren heute nicht mehr. Die zunehmende Ausbreitung des Kaffeerosts (roya) und die immer höheren Temperaturen – selbst in Lagen über 1700 Metern über dem Meeresspiegel – zwangen ihn zur Rodung seiner Plantagen. Doch Ortega gab nicht auf. In den vergangenen vier bis fünf Jahren hat er seine Farmen Stück für Stück neu aufgebaut. Heute wachsen dort um die 3000 Pink Bourbon- und 1500 Tabi-Bäume. Sie werden durch Bananen- und andere Schattenbäume geschützt, die das Mikroklima verbessern und den Boden stärken. „Die Empfehlung für Tabi und Pink Bourbon kam von seinen Brüdern und Freunden aus der Asociación.
Sie sagten, die Varietäten könnten sich gut an die Höhenlage seiner Farmen anpassen. Also beschloss er, den Schritt zu wagen und seine Kaffeeplantagen zu diversifizieren, erklärt Didier. Doch die Auswirkungen des Klimawandels machen Daniel immens zu schaffen: „Dieses Jahr hat uns der Winter hart getroffen; die Kälte hat einige Pflanzen verbrannt, und die Trockenzeiten waren viel zu lang“, zitiert Didier seinen Onkel. Ortega, sowie ein Großteil weiterer Landwirt: innen in Kolumbien, arbeiten mit der Initiative Monkaaba zusammen. Dessen Gründer Esnaider Ortega Gomez und sein Team haben es sich zur Aufgabe gemacht, Produzent: innen in der Region zu besseren Handlungsbedingungen zu verhelfen und sie weiter- zubilden. Monkaaba wiederum arbeitet mit dem Sourcing-Unternehmen Semilla Coffee zusammen, welches neben Kolumbien ebenso in anderen süd- und mittelamerikanischen Ländern sowie in Afrika tätig ist. Das Ziel von Semilla ist es, kleinere Gemeinschaften darin zu unterstützen, ihre Ernten gewinnbringend auf dem Markt für Spezialitätenkaffee anzubieten. Didier sagt, dass Daniel dadurch die Möglichkeit hatte, ein Teil von Gemeinschaftsprojekten zu sein. Er konnte sich in Vereinen engagieren, wo er gemeinsam mit anderen Produzent:innen zusammenarbeitete und neue Freundschaften schloss. Kaffee sei für ihn mehr als nur eine Nutzpflanze und repräsentiere eine Lebensweise und ein Erbe, das Arbeit, Gemeinschaft und Zukunft miteinander verbinde, so sein Neffe. Tradition beim Kaffeeanbau stehe dabei immer an erster Stelle. „Er empfindet die Zusammenarbeit als Anerkennung seiner Tradition, der Zeit und der Mühe, die er in den Kaffeeanbau investiert hat. Vor allem als Anerkennung seiner Überzeugung, immer sein Bestes zu geben, damit sein Kaffee für sich selbst spricht.“
Bereits im vergangenen Jahr war es uns möglich, ein Lot des Buena Vista zu ergattern. Nicht ohne Grund hat es das Lot auch in diesem Jahr wieder in unser Sortiment geschafft. „Nachdem er seinen Kaffee so viele Jahre an andere Röstereien ohne einen Verweis auf seine Arbeit geliefert hatte, bereitete es ihm große Freude, ein Microlot mit dem Namen seiner ersten Farm zu sehen.“, erklärt Didier. Eine Komposition aus blumig-fruchtigen Noten, die einen tollen Vertreter für unsere geradlinigen Kaffees darstellt. „Als mein Onkel anfing, seine eigenen Kaffees zu verkosten, probierte er verschiedene Prozesse aus, um herauszufinden, welche sowohl den Bedingungen auf seiner Farm, als auch seinen eigenen Arbeitszeiten am besten entsprachen.“ Nach einigen Experimenten und Empfehlungen fand er die passende Methode für seinen Kaffee und begann diese zu perfektionieren, um das Bestmögliche aus seiner Ernte herauszuholen. Hierbei handelt es sich um gewaschene Kaffees, deren Kaffeekirschen alle 15 Tage gesammelt und anschließend 24 Stunden fermentiert werden. Nach der Fermentation werden die Kirschen entpulpt, sprich die Kaffeebohne wird aus der Kirsche entfernt. Unmittelbar danach werden die Bohnen zu einem 22-stündigen trockenen Fermentationsprozess ausgelegt. Erst danach werden die Bohnen gewaschen und für 15 Tage zum Trocknen in der Sonne ausgelegt. Doch Ortega sieht in seiner eigenen Arbeit noch Luft nach oben. Er würde gern mehr Kaffeesträucher anpflanzen und mit jeder Ernte eine noch bessere Qualität erhalten. So habe er zu seinem Neffen gesagt, könne er der Gemeinschaft mehr Arbeit geben und den Menschen ein besseres Leben ermöglichen. Daniels Arbeit ist geprägt von dem familiären Setting und Zusammenhalt. Dieser Sinn für Gemeinschaft spiegelt sich nicht nur an seiner Teilhabe an Semilla wider, sondern auch in seiner Lebensweise. Er berichtet seinem Neffen:
Text: Fatima Goltsman
Fotos: Semilla Coffee
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Wo der Kaffee noch wild wächst – eine Reise nach Äthiopien
Kaffee spielt eine bedeutende Rolle in der Kultur und dem Verständnis Äthiopiens. Ein Satz, den wir auf unserer Reise noch öfter hören werden. Marina ist hauptsächlich für unser Marketing zuständig, aber steht auch als Barista hinter der Bar. Ich, Marco, stehe ebenfalls hinter der Kaffeebar. Meistens bin ich aber am Röster oder im Büro. Für uns beide ist es die erste Reise in eines der Ursprungsländer, aus denen wir unsere Kaffees beziehen. Dafür reisen wir nach Sidamo, in den südlichen Teil des äthiopischen Hochlands.