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Ein ruandischer Kaffeeproduzent posiert in einem Kaffeefeld neben einer Pflanze, die reife Kaffeekirschen trägt.

Auf eine Tasse Tee des Kaffees


Ein Interview mit Valentin Kimenyi

Die Reise durch Afrika führt uns nach Ruanda: Hier lebt und arbeitet Valentin Kimenyi – Produzent und Manager des Exportunternehmens Gasharu Coffee. Wir arbeiten seit vier Jahren mit ihm zusammen. Valentin spricht über die Weiterentwicklung des Unternehmens, das traditionelle Wissen seiner Eltern und seine eigenen Beiträge zur Modernisierung.

Valentin, wie würdest du den Gründungsgedanken von Gasharu Coffee beschreiben?

Gasharu ist ein Familienunternehmen, das stark mit unserer Gemeinde verbunden ist. Mein Vater hatte immer gute Beziehungen zu den Farmer:innen hier in der Umgebung, die uns bis heute geblieben sind. Gasharu hat früher die Menschen hier zusammen gebracht und jetzt auch über die Grenzen unserer Region und des Landes hinaus.

Deine Eltern haben Gasharu 1978 aufgebaut, richtig?

Ja, zumindest hat mein Vater ab diesem Jahr das Unternehmen ausgebaut. Seine ersten Kaffeebäume hat er schon einige Jahre zuvor gepflanzt. Die Regierung hat damals um Menschen geworben, die sich um die Herstellung von hochwertigem Kaffee bemühen. Mein Vater ist seit mehr als vierzig Jahren im Kaffeegeschäft. Früher haben wir den Kaffee nur in Ruanda verkauft, weil wir keinen Zugang zum internationalen Markt hatten. Wir exportieren erst seit 2018. Seitdem sind wir allerdings sehr gewachsen. Auch die Zusammenarbeit mit Algrano, die uns seit 2019 mit dem Exportgeschäft unterstützen, hat uns weitergebracht.

Inwiefern weitergebracht?

Algrano ist ein Netzwerkpartner innerhalb der Kaffeebranche. Durch sie haben wir wichtige Kontakte geknüpft. Für mich sind solche Gespräche – wie das jetzt mit euch – auch immer bereichernd, weil ich dann sehe, wer unseren Grünkaffee bekommt und wie ihr ihn findet. Generell bekommen wir viel mehr Feedback zu unserem Kaffee seit der Zusammenarbeit, haben gelernt, ihn besser zu verarbeiten und anzubauen.

Wie viel Wissen haben deine Eltern dir denn schon mitgegeben und zu welchem Teil hast du selbst dazugelernt und Gasharu gestaltet?

Man lernt ja immer dazu. Ich würde aber sagen, die Anteile sind gleich verteilt. Ich habe viel von meinen Eltern gelernt, weil meine Geschwister und ich früher viel bei der Arbeit geholfen haben. Sie haben damals nur gewaschene Kaffees produziert. Über diesen Prozess habe ich dementsprechend  viel von ihnen gelernt. Sie haben auch das Netzwerk zu den anderen Washing Stations und Bäuer:innen hier geschaffen. Die Fermentationsprozesse und die Zusammenarbeit mit internationalen Kund:innen habe ich ins Spiel gebracht. Gasharu ist also eigentlich ein traditionelles Unternehmen, was in der modernen Welt des Spezialitätenkaffees einen Platz finden möchte.

Das scheint ja gut zu funktionieren. Sind die neuen Methoden der Fermentation auch ein Grund dafür, wieso Gasharu neun verschiedene Grünkaffees anbieten kann, obwohl in Ruanda hauptsächlich die Varietät Bourbon angebaut wird?

Ja, das würde ich schon sagen. Theoretisch können wir auch andere Varietäten anbauen, aber Bourbon funktioniert auf unseren Böden am besten. Bis die Pflanzen ihre ersten Erträge bringen, dauert es ja immer zwei Jahre – meistens länger. Wenn man dann merkt, dass der Ertrag von anderen Varietäten schlecht ist, ist das natürlich ärgerlich. Deshalb setzen wir auf Bourbon.

Klingt nachvollziehbar. Einen eurer fermentierten Kaffees kaufen wir auch ein. Kannst du uns mehr zu der Weiterverarbeitung erzählen? Also der Fermentation und der Qualitätskontrolle?

Ihr meint den Gasharu Ireme. Ja, der kommt – wie der Name schon sagt – von der Gasharu Station. Wir haben zwei Washing Stations, die wir seit 2007 und 2012 betreiben. Die zweite heißt Muhororo. Dort werden die Kaffeekirschen sowohl vor als auch während der Aufbereitung sorgfältig sortiert. Das heißt, wir trennen unreife Kirschen oder Bohnen mit Defekten von denen mit Topqualität. Wie die meisten Ursprungsländer, teilen wir die Kirschen dafür in „Grades“ von A bis C ein. Dabei nutzen wir die Grades A und B für den Spezialitätenkaffee.

Die übrigen werden für den kommerziellen Markt aufbereitet. Die Kirschen kommen dann in Tanks, in denen sie zwischen zwölf und 14 Stunden fermentieren. Das funktioniert am besten mit den sehr reifen Kirschen, um die Aromen bestmöglich zu entfalten. Durch unsere engen Kontakte zu den Farmer:innen und unsere Preisgestaltung bekommen wir aber von vornherein hauptsächlich reife und hochqualitative Kirschen geliefert.

Preisgestaltung bezieht sich darauf, wie viel ihr den Farmer:innen im Vergleich zu anderen Washing Stations in der Region zahlt, wenn sie die Kirschen liefern?

Genau und das ändert sich von Saison zu Saison. Im letzten Jahr hat die Regierung einen Mindestpreis von 440 ruandischen Franken (RF) pro Kilogramm Kaffeekirschen vorgegeben, in diesem Jahr sind es 480 RF. Wir zahlen allerdings 950 RF, weil der Wettbewerb so stark ist und wir dafür eine gute Qualität bekommen. Aber die Farmer:innen können die Ernte natürlich auch nur bedingt beeinflussen.




Spielst du damit auf den Klimawandel an?

Ja, aktuell können wir damit noch umgehen, aber das kann sich in den nächsten Jahren ändern. Es war ein heißes Jahr, das mit starken Regenfällen begonnen hat. Die Saison war also kurz, aber hat eine gute Qualität mit sich gebracht. Dieses Jahr sind die Kirschen sehr reif im Vergleich zu den Vorjahren. Wir sind aber auf Regen in den Monaten zwischen Oktober und Dezember angewiesen, sonst wird es schwierig, die Ernte zu planen oder überhaupt zu ernten.


Was motiviert dich trotz dieser Herausforderungen weiter in dem Bereich zu arbeiten?

Die Leidenschaft der Menschen und die Gemeinschaft. Es kann schwierig sein, aber für meine Familie und meine Leute ist Kaffee eine Kultur. Selbst wenn der Preis für Kaffeekirschen niedrig ist, wollen die Leute die Kaffeebäume nicht fällen. Wenn die Leute gut verdienen, ist das gut für uns als Produzenten und Unterstützer, denn dann wollen die Leute neue Kaffeebäume pflanzen. Unsere Bäume sind Teil unserer Kultur und etwas, das Geld bringt.


Wie viele Menschen arbeiten denn für Gasharu Coffee?

Mit Farmer:innen und Menschen auf den Washing Stations sind es zusammen rund 1.700. Der Frauenanteil ist bei den Aufbereitungsstationen mit 80 Prozent deutlich höher als bei den Farmer:innen. Da sind es 30 Prozent

Die Arbeit der Frauen wird bei euch gewürdigt und ihr habt einen Kaffee, der nur den Frauen gewidmet ist.

Ja, der Rugori. In unserer Sprache bedeutet Urugori „Krone der Frauen“ und davon ist der Name abgeleitet. Ohne Frauen würde die Wertschöpfungskette des Kaffees einfach nicht funktionieren. Durch das Lot fließt natürlich auch mehr Geld in die Hände der Frauen.





Und der Kaffee schmeckt sehr gut! Trinkt ihr ihn auch selbst?

Kaffee ist eher etwas, womit wir arbeiten. Aber alle paar Tage sitzen unsere Mitarbeiter:innen schon zusammen, rösten und mahlen den Kaffee, um dann eine Tasse Tee des Kaffees – so sagen wir – zu trinken.

Das klingt wie bei einer äthiopischen Kaffeezeremonie. Bedeutet aber, der Fokus liegt auf dem Export. Wie viele Container produziert ihr denn insgesamt?

Wir kommen auf zwei Container Spezialitätenkaffee und sechs Container kommerziellen Kaffee pro Ernte, die bei uns einmal jährlich stattfindet. Wir haben für die nächsten Jahre geplant, den SpecialtyBereich weiter auszubauen und in drei Jahren soweit sein, dass wir zehn Container Spezialitätenkaffee verschiffen können. Dafür müssen wir mehr Land kaufen, was wir auch machen wollen, wenn wir genug Geld haben. Wir hätten auch gerne in drei Jahren eine eigene Trockenmühle, um den Kaffee dann direkt weiterzuverarbeiten. Außerdem wollen wir unsere Farmer:innen mehr Schulen und Projekte für sie anbieten. Da kann ich aber noch nichts konkretes zu sagen.

Dann habt ihr ja viel vor. Wir sind gespannt auf die Kaffees und Neuigkeiten, die uns in Zukunft von euch erwarten. Vielen Dank für die Einblicke! Es ist immer wieder spannend und wichtig für uns zu hören, was die Produzent:innen beschäftigt.

Danke für das Interesse und die Unterstützung. Wir freuen uns immer, unsere Geschichte und unseren Kaffee mit der Welt zu teilen!

Text: Emma Lehmkuhl
Fotos: Jailos Ntivuguruzwa


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